Epilepsie beim Hund und dessen Auswirkung
Neurology with Added  Qualifications in Clinical Neurophysiology

Epilepsie ist bei vielen Rassen  zu einem zunehmenden Problem geworden.Genetische Vererbung variiert von  Rasse zu Rasse und noch mehr innerhalb der einzelnen Linien der  Zucht. In einigen Fällen ist die Vererbung höchstwahrscheinlich  einfach rezessiv oder einfach dominant und befindet sich auf einem  Autosom.
Wenn die Genetik der Epilepsie offensichtlich  auf eine dieser Arten vererbt worden ist, ist es wohl keine Frage  mehr, wie in der Zucht weiter verfahren werden soll.
Träger einer eindeutig vererbten  Form der Epilepsie müssen meines Erachtens von der Zucht ausgeschlossen  werden.
Bei Autosomen mit vererbten rezessiven  oder dominanten Eigenschaften ist es oft einfach, diese Träger  zu identifizieren oder mindestens die Wahrscheinlichkeit vorherzusagen,  daß ein Individuum ein Träger ist. Im allgemeinen aber kann die Art  der Vererbung entweder nicht bestimmt werden oder sie ist mehrfach  bedingt bzw. polygenisch. In diesen Fällen ist die ethische  Entscheidung (bzgl. der Zuchtverwendung) nicht einfach.

Epilepsie ist, einfach beschrieben,  ein unkontrollierter elektrischer Zustand des Hirns. Es kommt durcheinander,  eine Art von elektrischen Sturm im Gehirn, oder mehr allgemein handelt  es sich um eine synchrone und rythmische Entladung von Teilen oder  des gesamten Hirns, wodurch Störungen oder Verfälschungen  der normalen elektrischen Aktivitäten entstehen, mit Wellen  von elektrischen Entladungen, die das Verhalten hervorrufen, das  vom Betrachter als Anfall bezeichnet wird.
Anfälle können in den unterschiedlichsten äußerlichen Erscheinungsformen auftreten, obwohl bei  ein und dem selben Tier die Anfälle normalerweise stereotyp  (die gleichen) sind. Anfälle können auch einfach sein  mit einer kurzen Periode der Verwirrung von etwa 15-30 Sekunden,  ohne Bewußtseinverlust und sogar ohne Verlust der Körperkontrolle.

Allgemein können Anfälle  in zwei Kategorien eingeteilt werden, in solche, die einen gewissen  Bereich des Gehirns betreffen (partieller Anfall), und in solche,  die das ganze Gehirn betreffen (genereller Anfall). Generelle Anfälle  zeigen sich als wiederholte und rhythmische Krämpfe der Extremitäten,  nachdem sich der ganze Körper plötzlich gestrafft oder  versteift hat und sich die Augen verdreht haben. Dieser Art von  Anfällen folgt normalerweise eine post-ictale (nach dem Anfall)  Phase, deren Dauer abhängig ist von der Dauer der Phase mit  Zuckungen. In diesem Zustand ist das Tier nur schwierig oder gar  nicht ansprechbar.
Generelle Anfälle sind entweder  vererbt oder wurden durch medizinische Krankheiten verursacht, wie  z.B. Diabetes, Leberschaden, etc. Partielle Anfälle sind sehr  unterschiedlich in ihrer Erscheinung, abhängig vom attakierten  Bereich des Hirnes. Es gibt Formen mit Perioden, in denen das Tier  wiederholtes Zucken von nur einem Gliedmaß zeigt (contraleteral  Motor cortex), oder in denen es bestimmtes Verhalten laufend wiederholt  (z.B. Zwinkern, Lecken, hin- und herwandern), oder einseitige Köperhaltung , aber sie sind dadurch gekennzeichnet,  daß das Tier die Wahrnehmung seines Umfeldes einigermaßen  aufrecht erhält, da nur ein Teil des Hirns durch die abnormalen  elektrischen Entladungen betroffen ist.

Nach einem partiellen Anfall folgt  nicht die Phase wie beim generellen Anfall, bei dem das Tier völlig  abgestumpft ist. Partielle Anfälle können ebenfalls vererbt  werden, aber auch gewisse organische Krankheiten kommen als Ursache  in Frage.

Generelle Anfälle können  zunächst als partielle Anfälle beginnen, bei denen die  abnormale Entladung in einem Teil des Gehirns anfangen, dort für  eine kurze Zeit verbleiben, bevor sie sich dann auf das ganze Hirn  ausdehnen. Solange die Entladungen isoliert in einem Bereich des  Gehirns stattfinden, spricht man, klinisch gesehen, von einem partiellen  Anfall. Haben sich diese Entladungen einmal auf das ganze Hirn ausgedehnt,  betrachtet man dies klinisch als einen generellen Anfall.

Das Bestimmen der Art eines Anfalls  hilft dem Arzt bei der Festellung der wahrscheinlichsten Ursache  der Epilepsie. Natürlich ist auch eine solide Kenntnis der  Abstammung und der individuellen Krankheitsgeschichte wichtig, um  eine korrekte Diagnose zu erstellen. Die Ursachen der Epilepsie  sind vielfältig. Meine persönliche Sicht ist: solange  nicht bewiesen ist, daß man Epilepsie 'erwerben' kann, sollte  man Vererbung annehmen. Von Grundlegender Bedeutung für das  Verständnis der Vererbung von Epilepsie ist jedoch das Wissen,  daß alle Tiere unter den richtigen (oder sollte ich besser  sagen: falschen) Umständen einen Anfall haben können.  Schlafentzug, Blutzuckermangel, Dehydrierung und die dazugehörigen  elektrolytischen Abnormalitäten können neben vielen anderen  Lebenssituationen dazu führen, daß ein Tier einen Anfall  hat, und sollte nicht bedeuten, daß das Tier epileptisch ist.

Ein Tier, das aus einer großen  Höhe fällt (in Relation zu seiner eigenen Größe)  und sich ein Bein bricht, wird nicht unbedingt als eines betrachtet,  das einen vererbten Knochenzustand hat, der es für Brüche  anfällig macht.
ähnlich ist es mit Tieren, die  in Stoffwechsel-Stress gebracht werden, sie können Anfälle  haben, ohne epileptisch zu sein. Sich wiederholende Anfälle  werden gewöhnlich dazu benutzt, Epilepsie zu diagnostizieren.  Wenn in der Linie Epilepsie bekannt ist und damit ein genetisches  Risiko in der Zucht darstellt, kann ein einziger Anfall genügen,  um dieses Hund aus der Zucht zu nehmen. Aber ein einziger Anfall  bedeutet noch lange nicht, daß ein Tier sein Leben lang wiederholte  krampfartige Vorfälle hat oder daß krampflösende  Behandlung erforderlich ist. 
Meiner Meinung nach werden voreilige  Entscheidungen zum Einschläfern epileptischer Hunde zuvorderst  von Menschen getroffen, die sich davor fürchten, daß  ihr Tier einen Anfall hat oder die fälschlicher Weise annehmen,  daß das Tier während und nach der Attacke schrecklich  leidet. Während eines Anfalls sind die Tiere nicht in der Lage,  Schmerzen oder Angst wahrzunehmen, zumindest erinnern sie sich  nicht daran. Dies basiert auf Erkenntnissen bei der Epilepsie des  Menschen, und ist  - obwohl nicht völlig beweisbar - eine  verlässliche Extrapolation aus der Human-Medizin. Der  Anfall ist fast immer für den Betrachter wesentlich traumatischer  als für das Tier selbst.
Das Bemühen, das Tier vor Verletzungen  zu schützen (ins Wasser fallen, gegen irgend etwas zu laufen  ...) ist alles, um was sich ein Dabeistehender kümmern sollte  - nicht darum, daß das Tier während des Anfalls leiden  könnte. 
In Bezug auf die Lebensqualität  muß noch ein anderer Mythos zerstört werden, nämlich  daß epileptische Tiere unglücklich und nicht in der Lage  sind, ein zufriedenes Leben zu führen. 
Viele Besitzer berichten von einer  andauernden Veränderung im Temperament nach dem ersten Anfall,  und einige berichten, daß der Hund anscheinend nicht mehr  so glücklich ist, seit er krampfhemmende Medikamente bekommt.  Trotzdem ist es völlig normal, daß diese Tiere ein langes  und erfülltes Leben haben - mit gelegentlichen oder seltenen  Anfällen. Und es scheint mir unmoralisch, den voreiligen Schluß  zu ziehen, daß man sich um diese Tiere nicht liebevoll kümmern  kann und ihnen nicht erlaubt, friedlich und in der Umgebung ihrer  Familie ihr Leben zu verbringen.

Keine dieser Tatsachen darf uns  aber dazu verleiten, Epilepsie als etwas anderes zu betrachten als  eine ernsthafte Krankheit, die so weit wie nur möglich durch  gewissenhafte Züchter vermieden werden muß. Aber diese  Tatsachen sollen auch als Informationen für Menschen gelten,  die sich um ihre epileptischen Lieblinge kümmern.

Epilepsie ist nicht einfach ein  weiteres Problem, das man vermeiden muß wie eine schlechte  Rute oder schlechte Haltung. Es ist eine zerstörerische Krankheit  auf vielen Ebenen. Aber es ist weder die abschließende, letzte  Diagnose, noch reduziert es dauerhaft den Wert des Hundes als Begleiter  oder willigen Arbeiter auch nur um das Geringste. Es gibt viele  Begleit-, Jagd-, Gebrauchshunde etc., die ein langes und erfülltes  Leben haben - trotz ihrer Epilepsie.

Ursachen für den Erwerb der  Epilepsie bedürfen einer ausführlichen Untersuchung. Wenn  Ihr Tierarzt oder der Tierarzt eines Welpenkäufers sofort annimmt,  daß es sich um vererbte Epilepsie handelt - dann wechseln  sie den Tierarzt. Im Sinne unserer Tiere und unserer Rassen ist  eine vollständige Untersuchung erforderlich. Die Feststellung  der Ursache ist ausschlaggebend für die vernünftige Auswahl  der Behandlung (oder um zu entscheiden, daß keine Behandlung  erforderlich ist), und um die richtige Entscheidung bezüglich  des Wurfes, der Eltern und der Verwandten im Zuchtprogramm zu treffen.

Hypoglykämie (Blutzuckermangel) ist eine verbreitete Ursache für Anfälle.  Bei Welpen von kleinen Rassen ist es nicht selten , daß die  Anfälle auf diese Ursache zurückgeführt werden. Bei  einigen Sport- und Jagdhunden wurden hypoglykämische Anfälle  im Zusammenhang mit überlangen Übungen beobachtet, vermutlich  in Verbindung mit einem Versagen des Glycogen-Speichers in der Leber.
Geschwulste in der Bauchspeicheldrüse  kann Hypoglykämie verursachen und diese zeigt sich gewöhnlich  vor den regulären Mahlzeiten, wenn der Zuckerwert am niedrigsten  ist. Pre- und Post-Partum-Hypoglykämie kann alleine zu Anfällen  führen und stellt nicht den Anfang von Epilepsie dar.

Elektrolytische Abnormalitäten  können Anfälle provozieren. Hyponatremia (Untermenge  von Natrium im Blut) kann  Anfälle auslasen und kann in Verbindung mit Dehydration,  Wasservergiftung und den Syndromen der unangemessenen Hormon-Sekretion  (SIADH) stehen, auch in Verbindung mit intrakranialen (Schänelinneres) oder intrathorakalen (Brustinneres) Erkrankungen. Dehydration und andere elektrolytische  Abnormalitäten als Folge intestinaler (darm-) Störungen sind  klinisch normal,  aber sollten nicht als mögliche Ursache für Anfälle  übersehen werden.

Hypocalcemia (Untermenge  von Kalzium im Blut) in  Verbindung mit einer Geburt, chronische Nierenerkrankungen oder  Krankheiten der Nebenschilddrüse können Anfälle aufkommen  lassen.

Hypomagnesiämie (Untermenge von Magnesium im Blut) sollte in Betracht gezogen werden 

Hyperkalämie (Vermehrter  Kaliumgehalt im Blut) kommt  bei der Addisonschen Krankheit vor (Insuffizienz der Nebennierenrinde)  und kann auch verursacht werden durch zu plötzliches Absetzen  von chronisch benutzten Steroiden.

Hyperlipoproteinämie (vermehrter Gehalt des Blutes an Lipoproteinen) wird von einer Reihe von Züchtungen  berichtet und wurde mit Anfällen in Verbindung gebracht. 
Darmparasiten, besonders bei jungen  Welpen, können und toxischen Effekten.
Futterallergien konnten bei einigen  Hunden als verantwortlich identifiziert werden
Zahlreiche toxikologische Forschungen  beschäftigen sich (nicht nur) mit Kohlenmonoxyd-Verbindungen,  organischen Phosphaten, Schwermetallen wie Blei und Quecksilber,  Floh-Bad-Präparate, Überdosierungen von Nahrungszusätzen.

Intrakraniale Pathologien wie Meningoencephalitis,  Malignität, Anomalien des zentralen Nervensystems, traumatische  Hirnverletzungen müssen ausgeschlossen werden.
Ein kompetenter Tierarzt oder Veterinär-Neurologe  verläßt sich auf die Geschichte, Alter des Hundes, Art  der beobachteten Anfälle, individuelle Krankheitsgeschichte  des Hundes, neurologische und allgemeinmedizinische Untersuchungen,  Rasse des Hundes, Familiengeschichte des Hundes etc., um eine angemessene  Aufarbeitung festzulegen. Abhängig von der Etiologie der Anfälle  werden die Behandlungsmöglichkeiten diskutiert und Entscheidungen  bzgl. der Züchtung mit dem individuellen Hund und seiner Verwandten  können intelligent getroffen werden. 
Eine voreilige Zuordnung der Anfälle  zur Vererbung kann im Einzelfall zur Fehlbehandlung führen  (z.B. krampfhemmende Therapie, während Veränderungen im  Stoffwechsel erforderlich wären) und kann zu schlechten Entscheidungen  bzgl. des Zuchtprogramms führen

Wie ich schon ausführte, sollte  meines Erachtens davon ausgegangen werden, daß die Epilepsie  vererbt wurde, wenn eine sichere Erwerbsursache der Epilepsie nicht  gefunden werden kann. 
Es wird weniger Schaden angerichtet,  wenn man annimmt, daß eine erworbene Epilepsie genetisch bedingt  ist und die Tiere aus der Zucht nimmt, als bei einer genetischen  Epilepsie anzunehmen, sie sei erst erworben worden und fortfährt,  eine Linie zu züchten, die mit vererbter Epilepsie befallen  ist. 
 
Angenommen, eine gründliche Aufarbeitung  wurde durchgeführt, bei der keine Kosten zum Wohle des Tiers  und der Zucht gescheut wurden, und es wurde keine erworbene Ursache  nachgewiesen, bleibt nur noch die Wahrscheinlichkeit, daß  der Hund vererbte Epilepsie hat. Wir stehen nun vor der Entscheidung  bezüglich der Zucht mit verwandten Tieren. Dies ist natürlich  eine persönliche Entscheidung und viele Faktoren, neben den  genetischen, spielen eine Rolle oder sollten bei dieser Entscheidung  eine Rolle spielen; aber eine Genanalyse bei identifizierter oder  vermuteter vererbter Epilepsie ist der nächste logische Schritt,  um die endgültige Entscheidung zu treffen, ob zu züchten  oder nicht, und welche Tiere von der Zucht ausgenommen werden müssen.

 Vererbte Epilepsie folgt allen  bekannten Wegen der Vererbung. Geschlechtsgebunde Vererbung kennt  man nur bei metabolischen Themen wie einige der neurogenerativen  Krankheiten, die Epilepsie als eine von vielen vererbten Abnormalitäten  hervorbringen, nicht Epilepsie alleine. So steht man normalerweise  vor dem Versuch, herauszufinden, ob die Epilepsie vererbt ist als  eine dominante Anlage (nur von einem Elternteil kommend), als eine  einfach rezessive (getragen von einem Gen beider Eltern), oder als  eine polygenetische rezessive Anlage (getragen von mehreren Genen,  die Kombination vieler Gene stellen die Bedingung her). Eine weitere  komplizierte Angelegenheit ist es, herauszufinden, ob die Bedingung  vererbt ist als eine dominante Anlage mit nicht kompletter Durchdringung,  so daß einzelne Tiere, obwohl genetisch angegriffen, das Gen  nicht demonstrieren (nicht epileptisch sind).
Es ist keine völlig Annahme,  daß innerhalb irgendeiner Zucht Epilepsie auf eine einzige  Art vererbt wird. Epilepsie ist ein äußerliches Symptom  einer inneren Abnormalität. Ein Mitglied einer Zucht kann eine  erworbene Epilepsie haben, während ein anderes die vererbte  Epilepsie haben kann, bezogen auf Glukose-Metabolismus, vererbt  durch einfache autosomale Rezessive, und ein anderes kann vererbte  Epilepsie haben, mit Bezug auf Abnormalitäten des zentralen  Nervensystems, vererbt als eine dominante Anlage mit nicht kompletter  Durchdringung, so daß sein Vatertier die gleichen Bedingungen  hat, aber keine äußerlichen Anzeichen von Epilepsie zeigt.

Bei der einfachen Rezessivität  ist der Ursprung, zumindest bei reinrassigen Hunden, höchst  wahrscheinlich in der Linienzucht oder bei Inzucht-Würfen.  Linienzucht und Inzucht sind dafür bestimmt, die Kombination  von Genen zu maximieren, so daß die Tiere hoffentlich für  die positiven Eigenschaft homozygotisch (gleiche Erbanlagen tragend)  werden. Unglücklicherweise werden die gleichen Tiere homozygotisch  für die negativen Eigenschaften wie angeborene Fehler im Stoffwechsel,  die Epilepsie hervorrufen.
Theoretisch tritt einfach rezessive  Anlage als homozygotisches Paar bei 25 % eines Wurfes auf, bei dem  beide Elternteile eine Ausgabe des abnormalen Gens haben. Deshalb  kann man annehmen, daß bei einem 8er Wurf zwei Welpen, bei  einem 16er Wurf (z.B. Irish Setter) 4 Welpen betroffen sind. Nachforschungen  im Stammbaum können wohl betroffene Onkel oder Tanten zu Tage  bringen (deren Wurfgefährten jene Träger waren, aber nicht  betroffen waren), aber Auskreuzungen von den gleichen Eltern werden  vielleicht keine betroffenen Tiere hervorbringen, da die rezessiven  Gene in anderen Linien nicht vorhanden sein müssen (es sei  denn, sie haben sich schon früh in der genetischen Geschichte  der Rasse verbreitet).
 
In Bezug auf die Zuchtentscheidung  kann man die Wahrscheinlichkeit bestimmen, mit der jeder Verwandte  das Gen trägt und somit eine angemessene Entscheidung fällen.  Bei einem Wurf mit vermuteter vererbter Epilepsie in einfach rezessiver  Art, werden 25 % der Tiere homozygotisch für die Krankheit  sein und Epilepsie haben. 50 % werden heterozygotisch (mischerbig)  für die Krankheit sein und damit Träger, 25 % sind keine  Träger, und beide Elternteile sind definitiv als Träger  identifiziert. Wenn der Zustand der Trägerschaft eine Entscheidung  bezüglich Zuchtausschluß angebracht erscheinen läßt,  dann sollten beide Elternteile aus der Zucht genommen werden und  zwei Drittel des nicht befallenen Wurfes.
 
Das Problem dabei ist festzustellen,  welche der nicht befallenen Wurfmitglieder Träger sind und  aus der künftigen Zucht ausgenommen werden sollen. Es gibt  keinen äußerlichen Unterschied zwischen Träger und  Nichtträger im Wurf. Die Entscheidung, eine Testzucht in Betracht  zu ziehen, ist eine persönliche Sache (Wurfmitglieder mit bekannten  Trägern - wie befallene Wurfmitglieder, homozygotisch für  das Gen, dies würde 50 % befallene Tiere hervorbringen, wenn  das Testtier ein Träger ist)

Die Annahme, daß Wurfmitglieder,  die keine Epilepsie haben, möglicherweise nicht befallen sind,  steht auf wackligen Füßen, da 2/3 der Wurfmitglieder,  die keine Epilepsie haben, Träger sind und nur 1/3 nicht. Meine  eigene Entscheidung in diesem Fall wäre, den gesamten Wurf  und beide Eltern aus der Zucht zu nehmen. Ich könnte eine andere  Entscheidung verstehen. Vielleicht ist die so produzierte Epilepsie  eine milde, nicht anstrengende Form und diese Linie ist eine der  wenigen, die nicht ein wesentlich zerstörerisches genetisches  Problem in sich trägt wie z.B. PRA. Blindheit ist sicherlich  schlimmer als das Risiko von gelegentlichen Anfällen. So gesehen  ist eine Testzucht sicherlich eine anziehende Überlegung.


Wenn die Art der Vererbung als polygenetisch  rezessiv betrachtet wird, ist das Überhandnehmen der Krankheit  innerhalb der Zucht der wichtigste Aspekt. Bei polygenetischer Vererbung  ist es die Kombination von mehreren Genen, die diesen Zustand herstellt.  Bei der Epilepsie ist dies der wahrscheinlichste Grund der reduzierten  Schwelle zu Anfällen, in der die Tiere offensichtlich eine  Veranlagung zu Anfällen selbst bei nur geringfügigen Störungen  des metabolischen Zustandes haben. 
 
In anderen Worten, während das  eine Tier leichte Dehydration an einem heißen Sommertag toleriert,  bekommt ein anderes Tier mit einer niedrigen Anfalls-Schwelle als  Reaktion auf diesen Stress einen Anfall. Bei der nächsten Gelegenheit  ist es eine Reaktion auf ein paar fehlende Mahlzeiten mit relativer  Hypoglykämie oder eine Überlastung durch Parasiten
 
Bei einer polygenetischen rezessiven  Vererbung (eine verbreiteter Hundezustand, der höchst wahrscheinlich  plygenetisch vererbt wird, ist Hüftgelenksdysplasie), kommen  die Gene wieder von beiden Eltern und sind wahrscheinlich in beiden  Eltern mit einem oder mehreren Genen, die zum Zustand beitragen,  vorhanden. Ein Elternteil kann mehrere abnormale Gene tragen, während  der andere nur ein solches Gen trägt. Es ist die Kombination,  die die klinische Erscheinung der Krankheit herstellt, in diesem  Fall der Epilepsie. Die Situation ist die gleiche bei Auskreuzungen  als auch bei Linienzucht, es sei denn, die genetische Verteilung  fand bereits sehr früh statt. 
Im Falle von Auskreuzungen wird angenommen,  daß bestimmte Kombinationen von Genen, die schädlich  in ihrer Kombination aber nicht als einzelne sind, die Krankheit  auslassen. Während jede Linie Gene in sich haben kann,  die zur Krankheit beitragen können, fehlen diese besonderen  Gene, die die andere Linie hat, in der einen Linie, was, wenn sie  nun kombiniert werden, besonders schädlich für das Tier  ist
 
Dies ist kein ungewöhnliches Phänomen  in der Hundezucht, wo es bekannt ist, daß die Kombination  solcher 2 Linien einfach nicht funktioniert. Das Verbleiben innerhalb  einer Linie kann die Gelegenheit vermeiden, daß diese besonders  gefährliche Kombination eintritt. Natürlich existieren  diese besonders schädlichen Gene in einigen Tieren der Linie  und die Linienzucht produziert dann ähnlich wie bei der Auskreuzung  diesen Umstand.

Ich persönlich würde grundsätzlich keinen Hund in der Zucht einsetzten der in der Linie Epilepsie hat oder dessen Nachkommen, selbst wenn dieser Hund (Hündin) die Epilepsie selber nicht zeigt. Leider gibt es immer wieder Züchter die dieses obwohl bekannt trotzdem tun.

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