IGS

Imerslund-Gräsbeck Syndrom (IGS) oder intestinale  Cobalamin-Resorptionsstörung bei Border Collies .

Das Vitamin B12 (Cobalamin, Cbl) ist ein Mitglied der wasserlöslichen  B-Vitamine.   Die höheren Organismen sind nicht fähig das Vitamin B12  selbst zu synthetisieren und sind auf seine Aufnahme durch die Nahrung  oder seine Synthese durch symbiotische Mikroorganismen angewiesen.

Die  Menschen gewinnen Cobalamin ausschließlich aus der tierischen Nahrung.  Das Vitamin B12 ist unerlässlich für Zellvermehrung (Übertragung von  Methyl-Resten bei der Thymin-Synthese und also auch bei der  DNA-Synthese). Das Cobalamin ist besonders wichtig für die Funktion des  Nervensystems und gesunde Blutbildung, obwohl ein Mangel an Cobalamin  die meisten Organe mit Zellerneuerung betrifft.

Das Vitamin B12  beteiligt sich auch auf Metabolismus von Methionin und Homocystein Die Resorption von Cobalamin aus der Nahrung uns sein Transport zu den  Zielzellen ist ein komplizierter mehrstufiger Prozess und viele diese  Stufen zeichnen sich durch erbliche Störungen aus. Die intestinale Cobalamin-Malabsorption ist eine metabolische Störung,  die bei Menschen und Tieren beschrieben wurde.

Ist durch  Wachstumsretardierung, Neutropenie, niedrige  Serumcobalamin-Konzentration (Cbl) und nicht regenerative Anämie  gekennzeichnet. Zu den weiteren Zeichen gehören chronische Inappetenz,  megaloblastische änderungen im Knochenmark, methylmalonische Azidurie  und Homocysteinämie.

Dieser Phänotyp kann durch Mutation von entweder  AMN- oder CUBN-Genen verursacht werden. Die CUBN- (cubilin) und AMN-  (amnionless) Proteine bilden einen Transmembrane-Proteinkomplex, der als “Cubam" bezeichnet wird.

Dieser Rezeptor ist wichtig für die  Resorption von Cobalamin aus dem Darmlumen. Eine Störung in einem der  zwei Proteine führt zu der intestinale Malabsorption von Cobalamin. Die  Cobalamin- Resorptionsstörung wurde bei einigen Hunderassen beschrieben. Bei dem Australischen Schäferhund und dem Riesenschnauzer wurden zwei  Mutationen im AMN-Gen festgestellt (He et al 2003,2005). Owczarek-Lipska et al. (2013) haben eine Mutation im CUBN-Gen als  Hauptursache der intestinalen Malabsorption von Cobalamin bei der Border Collie identifiziert, die nachfolgend durch die Studie von Fyfe et al.  (2013) bestätigt wurde.

Die Mutation c.8392delC im CUBN-Gen verursacht  Verschiebung des Leserahmens und Bildung eines vorzeitigen Stopkodons  (p.Q2798Rfs * 3). Es wird vorausgesetzt, dass diese Mutation zum  kompletten Verlust der Allelfunktion führt (Owczarek-Lipska et al.  2013). Es wird vorausgesetzt, dass noch weitere Mutationen in den AMN- und  CUBN-Genen im Zusammenhang mit diesem Phänotyp auch noch bei anderen  Hunderassen entdeckt werden.

Die Hunde werden mit einer Cobalamin-Reserve in Leber geboren. Wenn aber das Cobalamin nicht aus der Nahrung ersetzt werden kann, wird diese  Reserve sehr schnell im Laufe des postnatalen Wachstums verbraucht (Fyfe et al., 1991). Die klinischen Symptome der Cobalamin-Malabsorption  entwickeln sich innerhalb der 6. bis 12. Lebenswoche und umfassen  Wachstumsretardierung und chronische Inappetenz.

Die betroffenen Hunde  können noch weitere Symptome der Erkrankung wie Neutropenie, nicht  regenerative Anämie, Anisozytose und Poikilozytose, megaloblastische  änderungen im Knochenmark, niedrige Seerumcobalamin- Konzentration,  methylmalonische Azidurie und Homocysteinämie aufweisen.            Die  Nierenfunktion bei den betroffenen Tieren ist normal, aber Proteine mit  niedrigem Molekulargewicht werden mit dem Urin ausgeschieden (Fyfe et  al., 1991). Bei gesunden Hunden wird das mit der Nahrung gewonnene Cobalamin (Cbl)  auf den intrinsischen Faktor, Glykoprotein, der durch die  Magenschleimhaut und das Pankreasgangepithel produziert wird, gebunden.  Der Intrinsische Faktor (IF) im Komplex mit Cobalamin (Cbl) wird mittels der Enterozyt-Rezeptoren im distalen Jejunum und Ileum absorbiert.

Die  Symptome der intestinalen Cobalamin Malabsorption werden also durch die  Absenz der Rezeptoren für den IF-Cbl-Kpmplex auf dem Bürstensaum der  Darmzellen verursacht (Fyfe et al., 1991). Die festgestellte Prävalenz der Träger der Mutation c.8392delC im  CUBN-Gen in einer Gruppe von 203 europäischen Collies betrug 6%  (Owczarek-Lipska et al. 2013).

Die intestinale Malabsorption ist eine Autosomal rezessive Erkrankung. Das bedeutet, dass sich die Krankheit nur bei den Hunden entwickelt, die den mutierten Gen von beiden Elternteilen vererbt haben; diese Hunde  werden als P/P (positiv / positiv) gekennzeichnet. Die Träger dieses  mutierten Gens (N/P, d.h. negativ / positiv) sind klinisch gesund, aber  tragen die Krankheit auf seine Nachkömmlinge über. Falls zwei  heterozygote Hunde (N/P) gepaart werden, wird theoretisch 25 % des  Nachwuchs ganz gesund, 50 % werden Träger und 25 % vererben den  mutierten Gen von beiden Elternteilen und werden an intestinale  Malabsorption leiden (P/P).

(Quelle: Genomia)

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